KLEIDERSCHRANKMOMENTE

GLÜCK UND ZUFALL UND DIE WAHRE LIEBE

 

Manche Dinge sucht man und findet sie dennoch nicht. Ausnahmsweise meine ich damit aber nicht die wahre Liebe, wie uns die Welt der Frauenzeitschriften und die Liebesfilmindustrie weiszumachen versucht, sondern schlicht und einfach eine passende Jeans. Sowieso viel wichtiger, meint meine weise Mitbewohnerin Sugar*.

 

Sugar hat in vielen Dingen recht und so beschloss ich, meinen Juli auf die Mission zu verwenden, sie zu finden, diese eine Jeans. Ungeachtet der Tatsache natürlich, dass die derzeitigen Temperaturen das Tragen einer Jeans zu annähernd 99% unterbinden, aber es wird ja wieder kälter. Winter und so. Sagt man.

 

Und ich probierte sie alle. Also fast alle – denn natürlich habe auch ich meine Ansprüche. High waisted sollte sie sein, eng in der Taille und trotzdem mit weitem Bein und ja, das gewisse Etwas, auch das sollte natürlich nicht fehlen. Eigentlich nicht so schwer, dachte ich, schließlich ist eine Jeans wohl das eine Kleidungsstück, das in keinem Kleiderschrank fehlt. Aber nichts schien zu passen, weder zu meinen Maßen, noch zu meinem Geschmack, noch zu dem Budget, das ich mir gesetzt hatte.

 

Ich war der Resignation nahe, stand in diversen Umkleidekabinen, trotze dem dort herrschenden unfreundlichen, harten Licht und wollte sie nicht aufgeben, diese fast schon hoffnungslose Suche, während ich im Spiegel eine Hose nach der anderen kritisch beäugte und schließlich ablehnend abstreifte. Es sollte nicht sein.

 

Aber dann, plötzlich – ich hielt es schon nicht mehr für möglich – entdeckte ich sie. Irgendwo auf einem unscheinbaren Bügel hängend, in einem noch unscheinbareren Second Hand Shop irgendwo in Stuttgart Ost. Aufgrund meiner vorigen Enttäuschungen erwartete ich mir gar nicht viel, denn es war sicher keine Liebe auf den ersten Blick. Etwas altbacken kam sie daher, viel zu lang und insgesamt zwar passend, aber eben nicht der perfect fit, den ich mir erhofft hatte. Aber ich nahm sie dennoch mit nach Hause – keine fünf Euro sollte sie kosten – und wagte es, die Hoffnung, dass wir uns schon noch aneinander gewöhnen würden nicht gänzlich aufzugeben.

 

 

Und was soll ich sagen: manchmal braucht es wohl wirklich ein bisschen Zeit, ein bisschen Glück und den Zufall auf der Seite, um das zu finden was man so dringend sucht. Und eine Stoffschere, um zu lange Hosenbeine zu kürzen. Und eine Waschmaschine, um die Spuren des Vorbesitzers zu beseitigen. Und das richtige Wetter, um das neu gewonnene Kleidungsstück auszuführen, denn im Stuttgarter Sommer bei über dreißig Grad macht das Tragen einer Jeans keinen Spaß. Trust me, I tried.

 

Sugar sucht trotzdem noch nach der wahren Liebe. Und der perfekten Jeans.

 

(*Name auf Wunsch von Juliane geändert)

Vielen Dank an die wunderbare Juliane, die heute mit mir durch den Kessel gestreift ist und die Bilder für diesen Text geknipst hat.

 

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